Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Arbeitsgruppe für Orthopockenviren

Die Arbeitsgruppe für Orthopockenviren betreibt das Pocken-Fachlabor für die Bundeswehr. Die humanpathogenen Orthopockenvirus (OPV)-Spezies Variolavirus und Affenpockenvirus gelten als potenzielle B-Kampfstoffe, die tödlich verlaufende Infektionen verursachen können. Immunologisch lassen sich Variola- und Affenpockenviren nicht unterscheiden, dies gelingt nur mittels molekularbiologischer Verfahren, die allerdings - aufgrund der hohen Sequenzhomologie der OPV untereinander - verschiedene Genombereiche abdecken sollten. Die Methode der Gesamtgenomsequenzierung von Isolaten oder direkt aus klinischen Materialien zur Lösung forensischer Fragen (auch unter Berücksichtigung von gentechnisch veränderter OPV) wurde etabliert.

Feldmäßig einsetzbare Verfahren zur Schnelldiagnostik sind generell verfügbar und werden derzeit zum Nachweis von OPV eingesetzt. Unbekannt sind die Strukturen, die die ZNS Gängigkeit von OPV bestimmen. OPV Enzephalitis erhöht die Fallsterblichkeit bei OPV Infektionen des Menschen und bestimmte Vacciniastämme verursachen häufiger Impfenzephalitis.

Mittlerweile existieren in den USA zwei zugelassene Pockenimpfstoffe, in Deutschland kann der durch die European Medicines Agency (EMA) zugelassene MVA-Impfstoff eingesetzt werden. Ein Ersatz für das Vaccinia-Immunglobulin (mit einer erweiterten Indikation zur passiven Post-Expositionsprophylaxe) ist nicht verfügbar. In den USA sind die OPV-spezifischen Virostatika Tecovirimat (TPOXX; ST246; Zulassung 2018) und Brincidofovir (Zulassung 2021) über die Food and Drug Administration (FDA) zuzulassen. Eine Zulassung von Tecovirimat in der EU wurde bei der EMA 2021 beantragt.

Forschungsschwerpunkte

Der Auftrag der Arbeitsgruppe beinhaltet die Entwicklung, Etablierung, Evaluierung und Validierung von Verfahren zur Früh-, Schnell- und Spezialdiagnostik der Orthopockenviren sowie zur sicheren Identifizierung und Differenzierung bis hin zur forensisch verwertbaren Biotypisierung. Weitere Aufgabengebiete sind die Ermittlung und präklinische Prüfung geeigneter antiviraler Mittel und Impfstoffe, sowie die Aufklärung von Krankheitsausbrüchen und enzootischen bzw. endemischen Lagen in Deutschland und in Einsatzregionen der Bundeswehr.

Projekte

  • Untersuchung von klinischen Proben auf Orthopockenviren (OPV) mittels real-time PCR und Immunfluoreszenz
  • Genomsequenzierung von Orthopockenviren
  • Vektoruntersuchungen bei OPV - Genintegrität im Reservoirwirt
  • Wirkung von OPV spezifischen Virostatika an der Blut-Hirnschranke
  • Isolierung von Kuhpocken aus Zootieren