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Biosicherheitsprojekt Tansania

Obwohl Tansania als eines der wenigen politisch stabilen Länder Afrikas gilt, ist in angrenzenden Ländern wie beispielsweise Somalia, Mosambik und Kenia ein zunehmender Einfluss islamistischer Terrororganisationen erkennbar. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass es auch in Tansania zukünftig zu Bestrebungen kleiner islamistischer Terrorgruppen kommen kann, die weitgehend demokratische Staatsform zu stürzen. Natürlich im Land vorkommende B-Agenzien, wie beispielsweise Yersinia pestis, Bacillus anthracis und hämorrhagische Viren wie Dengue-Virus und Chikungunya-Virus, könnten daher in den Blickpunkt des islamistischen und internationalen Terrors geraten.

Basierend auf einer im Jahr 2009/2010 in Kooperation mit der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Ludwigs-Maximilians-Universität München (AITM-LMU) und der tansanischen Partnerinstitution, dem NIMR-Mbeya Medical Research Centre (NIMR-MMRC) durchgeführten und publizierten Pilotstudie zu Zoonosen in der Region Mbeya, konnte bereits das Vorkommen bestimmter viraler Infektionen (Rift-Valley-Fieber, West-Nil-Fieber, Dengue-Fieber), von Rickettsiosen (Fleckfieber-Gruppe, Zeckenbissfieber-Gruppe) und von bakteriellen Zoonosen (Milzbrand, Brucellose, Q-Fieber, Leptospirose) dokumentiert werden. Diese Daten deuten darauf hin, dass die Erreger endemisch zumindest in Teilen des Landes vorkommen. Im Rahmen des Deutschen Partnerschaftsprogramms für biologische Sicherheit und Gesundheitssicherstellung hatten sich dasInstitut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) und die AITM-LMU in Kooperation mit dem NIMR-MMRC das Ziel gesetzt, das Know-How für den Umgang mit diesen potenziellen B-Erregern im Rahmen medizinisch-diagnostischer und infektionsepidemiologischer Maßnahmen zu vermitteln. Mit Hilfe von Workshops in München und vor Ort wurden serologische, molekularbiologische und epidemiologische Techniken an tansanische Mitarbeiter vermittelt (Capacity building). Ebenso wurden hierbei grundlegende Prinzipien und Praktiken der Biosicherheit (Biosecurity und Biosafety) behandelt (siehe Abb. 1).

 

Neben solchen Workshops und Trainingsmaßnahmen wurden im Zuge von Feldstudien potenzielle Vektoren von Zoonosen, wie beispielsweise Zecken, Stechmücken und Nagetiere, gesammelt und vor Ort untersucht (vgl. Abb. 2). Hierzu erfolgte am IMB die Etablierung eines mobilen, molekularbiologischen Nachweissystems, des sogenannten Recombinase-Polymerase-Amplification-Assays (RPA) für den Nachweis von B-Agenzien im Feld. Des Weiteren wurde eine Patientenstudie zum Thema „Etiology of febrile illness and epidemiology of arthropod-borne diseases in Southwestern Tanzania“, betreut durch die Clinical Trials Unit der AITM-LMU, durchgeführt. Durch die Vermittlung von Wissen und Techniken im sicheren Umgang mit potenziellen B-Agenzien und in der Diagnostik der durch sie hervorgerufenen Erkrankungen an tansanische Mitarbeiter sowie durch den Aufbau eines deutsch-tansanischen Netzwerkes wurde ein Beitrag für eine dauerhafte und nachhaltige Handlungsfähigkeit Tansanias auf dem Gebiet der Biosicherheit entwickelt. Das Projekt wurde planmäßig Ende 2016 abgeschlossen.

 

 

Mitarbeiter des IMB beim ersten Symposium in Mbeya zum Thema „Highly pathogenic agents: Medical importance and safety issues in Tanzania“ im Mai 2014
Workshop zum Thema Biosecurity und Biosafety im Rahmen einer Feldstudie zum Sammeln und zur Beprobung potenzieller Vektoren von Zoonosen im Mai 2014 in Mbeya, Tansania

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