Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Precise Response – eine Stabsärztin in der kanadischen Prärie

Maik Bugenhagen |

Vom 8. bis 26. Juli fand am Counter Terrorism and Technology Center im kanadischen Suffield die Übung Precise Response statt. Zahlreiche Nationen üben dort die Aufklärung und Abwehr von echten radiologischen, biologischen und chemischen Kampfstoffen. Unter Leitung von Frau Stabsarzt Sonja Mantel stellte Deutschland das Labor für die mikrobiologische Untersuchung. Wir haben sie bei ihrer neuen Aufgabe begleitet.

Frau Stabsarzt, wir sitzen jetzt hier in einem Zelt in der kanadischen Prärie. Wie hat es Sie als jungen Sanitätsoffizier hierher verschlagen?

Schon während meines Studiums als Sanitätsoffizieranwärterin in München hatte ich bei einem Praktikum ersten Kontakt zum Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Ich habe dort mit meiner Doktorarbeit angefangen und bekam so einen Einstieg in die mikrobiologische Forschung. Spannende Fragestellungen und Methoden zu erforschen begeistert mich seitdem. Mittlerweile bin ich seit eineinhalb Jahren in München in der Weiterbildung zur Fachärztin für Mikrobiologie. Die Aufklärungseinheit des Instituts hat mir jetzt die Gelegenheit gegeben erstmals mit nach Kanada zu kommen.

Was macht für Sie diese Übung so besonders?

Precise Response ist für mich die ideale Gelegenheit, um fernab vom stationären Labor in München unsere Untersuchungsverfahren unter Feldbedingungen an echten biologischen Kampfstoffen anwenden zu können. Ich merke hier, wie wichtig es ist, bei der Forschung immer wieder an die praktische Anwendbarkeit für die militärischen Anforderungen zu denken. Für mich geht es aber auch darum mit den Kameradinnen und Kameraden der ABC-Abwehr zusammenzuarbeiten und neue Ideen und Konzepte der anderen NATO-Partner kennenzulernen. Zudem hatte ich hier das erste Mal die Gelegenheit meine Ausbildung im Vollschutzanzug als Teil des biologischen Aufklärungsteams im scharfen Einsatz zu nutzen.

Am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr arbeiten Sie vorwiegend im Bereich der Bakteriologie und Diagnostik. Was sind Ihre Aufgaben hier, während der Übung?

Die Arbeit in diesem Laborzelt ist erst einmal ganz anders als im Forschungslabor am Institut in München. Ich habe hier die spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe, unser mobiles biologisches Feldlabor über den gesamten Übungszeitraum hinweg leiten zu dürfen. Ich habe zum Glück ein erstklassiges Laborteam, das mir die Arbeit sehr leicht macht. So kann ich mich besonders auf die Entscheidungen über das diagnostische Vorgehen bei der Probenannahme konzentrieren. 
Darüber hinaus stehe ich den nationalen und internationalen Partnern fachlich bei Fragen zur Mikrobiologie beratend zur Seite.

Wie können wir uns einen Übungstag im biologischen Feldlabor vorstellen?

Für uns beginnt der Tag morgens mit einem Laborcheck. Bevor die ersten Proben gebracht werden, müssen wir uns zu hundert Prozent sicher sein, dass die Geräte einwandfrei funktionieren. Bei dem anschließenden Teammeeting geht es darum, die Bearbeitung der aktuellen Proben zu besprechen und auf eventuelle Herausforderungen hinzuweisen. 
Zweimal täglich erreichen uns biologische Proben aus den verschiedenen Übungsszenaren, die wir auf gefährliche Erreger hin untersuchen. Die Ergebnisse werden in einem abschließenden Bericht festgehalten und am Tagesende der jeweiligen Nation ausgehändigt.

Laborarbeit in der sandigen Prärie von Suffield, wie funktioniert das?

Die Arbeit in einem mobilen Labor stellt das Team und das Material natürlich vor besondere Herausforderungen. Sand, Wind und Temperaturen von teilweise über 35 Grad Celsius setzen nicht nur dem Personal zu, sondern auch dem Laborzelt und den elektronischen Geräten. Manchmal haben wir unter den Feldbedingungen hier auch mit kurzen Stromausfällen zu kämpfen. Dann ist hohe Flexibilität und Kreativität aller Teammitglieder gefragt, um auch unerwartete Hürden zu meistern, ohne dass der Arbeitsfluss gestoppt wird.

Worauf freuen Sie sich nach dreieinhalb Wochen Übung am meisten und wie geht es für Sie weiter?

Bei der Zeitverschiebung von acht Stunden ist die Kommunikation mit der Heimat nicht einfach. Daher freue ich mich am meisten auf ein Wiedersehen mit Familie und Freunden. Im Moment ist die Übung hier in Kanada für mich eine großartige Zeit, in der ich viele Erfahrungen sammeln kann. Nach der Übung werde ich dann erst einmal für meine weitere Ausbildung an das Bundeskrankenhaus in Ulm gehen. Ich freue mich aber auch schon darauf anschließend wieder zurück an das Institut in München zu dürfen.

Das Interview führte Maik Bugenhagen

Das luftgestützte Laborzelt ist während der Übung der neue Arbeitsplatz von Stabsarzt Mantel.
Vorbereitung für den Einsatz im biologischen Aufklärungsteam.
In der sogenannten Glovebox werden die gefährlichen Erreger für die weiteren Untersuchungen inaktiviert.
Bei der Probenannahme können durch Erläuterung des Fundorts bereits erste Rückschlüsse auf mögliche Erreger gezogen werden.