Sie befinden sich hier

Inhalt

Biosicherheitsprojekt Mali

Der Ebola-Ausbruch 2014 in Westafrika hat die Gefahren, die von hochansteckenden Krankheiten ausgehen, eindrücklich gezeigt. Für die Eindämmung eines Ausbruches dieser Art ist es für das Gesundheitssystem des betroffenen Landes besonders wichtig, schnell reagieren zu können. Die richtige Diagnose ist entscheidend, nicht nur für den Patienten selbst, sondern in hohem Maß auch für mögliche Kontaktpersonen in seinem Umfeld.

Im Rahmen des Deutschen Biosicherheitsprogrammes wurde bereits im Sommer 2014 mit ersten Planungen für ein Mobiles-Labor-Projekt in Mali begonnen. Als dann erste Fälle von Ebola-Infektionen aus dem südlichen Nachbarland Guinea in der malischen Hauptstadt Bamako erkannt wurden, erfolgte die umgehende Bereitstellung der Laborausrüstung. In Zusammenarbeit mit der Französischen Mérieux-Stiftung und dem französischen Gesundheitsministerium wurde Anfang Dezember 2014 eines der am InstMikroBioBw in München entwickelten mobilen Feldlabore an das malischen Gesundheitsministerium übergeben. Mit dieser Ausrüstung können Viruserkrankungen wie Ebola, aber auch andere gefährliche Krankheitserreger schnell unter einfachen Umgebungsbedingungen nachgewiesen werden. Ein wichtiger Bestandteil der mobilen Laborausrüstung ist dabei die sogenannte Glovebox. Dieser in Unterdruck belüftete Handschuhkasten ist ein abgeschlossener Raum, in dem Patientenproben sicher inaktiviert werden können und somit ohne spezielle Schutzausrüstung gearbeitet werden kann (siehe Abb. 2).

Seit der offiziellen Übergabe des mobilen Labors an das malische Gesundheitsministerium im Dezember 2013 ist dieses am Centre d´Infectiologie Charles Mérieux (CICM) stationiert und wird regelmäßig für Trainings der malischen Partner durch deutsche Spezialisten des InstMikroBioBw genutzt. In verschiedenen Ausbildungseinheiten wird der sichere Umgang mit dem Equipment beim Auf- und Abbau des mobilen Labors vermittelt und malisches Fachpersonal in Nachweismethoden für unterschiedliche Krankheitserregern geschult. Nach dem „Train-the-Trainer“-Prinzip werden in Zukunft weitere Wissenschaftler aus anderen Ländern Westafrikas durch ihre malischen Kollegen in dem mobilen Labor ausgebildet. Durch diese Zusammenarbeit soll ein dauerhaftes und nachhaltiges Netzwerk entstehen und die eigenständige Handlungsfähigkeit westafrikanischer Wissenschaftler verbessert werden.

Eine zusätzliche Herausforderung für das Gesundheitssystem in Mali ist das unzureichende medizinische Wissen über die Ursache von fieberhaften Erkrankungen in der Bevölkerung. Durch die klimatischen Bedingungen ist Malaria weit verbreitet. Viele Fälle unklaren Fiebers werden daher ohne weitere Diagnostik als Malaria diagnostiziert und mit Malariamedikamenten behandelt. Doch gerade in der Trockenzeit werden mit diesem Vorgehen, insbesondere bei Kindern, zahlreiche andere, lebensbedrohliche Infektionskrankheiten übersehen. Denn auch bakterielle Krankheitserreger wie Coxiellen, Salmonellen, Rickettsien und Leptospiren oder Viren wie Lassa Virus, Rift-Valley Virus, Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber Virus, Dengue Virus und Chikungunya Virus können die Fiebererkrankungen verursachen. In Mali ist bisher sehr wenig über die Verbreitung dieser Erreger bekannt. Antibiotika sind teuer aber frei zugänglich und werden neben den Malariamedikamenten durch das fehlende Wissen häufig falsch eingesetzt. In Kooperation mit der Mérieux-Stiftung, dem CICM, dem Hôpital du Mali und dem Gabriel Touré werden daher die Ursachen von Fiebererkrankungen bei Kindern in Bamako über ein Jahr weiter untersucht. Ziel ist der sichere und einwandfreie Nachweis infektiöser Ursachen für das Fieber bei Kindern.  Dabei wird unter anderem auch die mobile Laborausrüstung in Bamako zum Einsatz gebracht und so ein gleichzeitig ein weiterer Schulungseffekt für die malischen Wissenschaftler erzielt. Das neu gewonnene Wissen soll dem malischen Gesundheitssystem zur Verfügung gestellt werden und dazu beitragen, die verfügbaren medizinischen Ressourcen und Vorbeugungsmöglichkeiten gezielter einsetzen zu können und damit die Behandlung der Patienten nachhaltig zu verbessern.

 

 

Malische, Deutsche und Französische Projektpartner (CICM, IMB, GIZ und Mérieux-Stiftung) vor dem CICM in Bamako, Mali. Auf der linken Seite sind die orangefarbenen Transportboxen des mobilen Labors zu sehen
Malische Wissenschaftler beim Arbeiten an der Glovebox, dem Kernstück des mobilen Labors. Hier erfolgt die Inaktivierung der Probe vor der weiteren Verarbeitung.

Kontextspalte