Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Workshop "Deutsch - Zentralasiatische Zusammenarbeit bei Zoonosen"

Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und die Deutsche Forschungsplattform für Zoono-sen haben am 12. Juni 2019 in München den internationalen Workshop „Deutsch-Zentralasiatische Zusammenarbeit bei Zoonosen“ durchgeführt.

Ziel war es, verschiedene Forscher und Organisationen zu vernetzen, die an der Zoonosenforschung in zentralasiatischen Ländern beteiligt sind. Der Workshop diente als Plattform, um verschiedene Aspekte der Zoonosenforschung in Zentralasien anzusprechen. In Zentralasien herrscht durch viele hochpathogene Zoonose-Erreger eine latente Gefahr für Krankheitsausbrüche. Insbesondere durch die neue Seidenstraße und den dadurch zunehmenden Warenverkehr, durch den stetig steigenden Reiseverkehr wie auch durch Zugvögel können gefährliche Erreger aus Zentralasien nach Europa gelangen.

Die folgenden Schlussfolgerungen konnten aus dem Workshop gezogen werden:

Finanzierung

Die Finanzierungssituation für die Zoonosenforschung in Zentralasien ist aufgrund der mangelnden Fokussierung potenzieller Geldgeber auf das Thema weiterhin schwach. Ein wichtiger Schritt um das zu ändern, besteht darin, Politiker und Verantwortliche geldgebender Organisationen für das Thema zu sensibilisieren. Auch die Ausrichtung auf andere Forschungsinteressen wie die der „vernachlässigten Tropenkrankheiten“ (Neclected Tropical Diseases) könnten die potenziellen finanziellen Ressourcen für die Zoonosenforschung in Zentralasien zusätzlich erweitern.

Deutsch-asiatische Projekte

Zwischen Deutschland und zentralasiatischen Ländern gab es bereits einige Kooperationsprojekte. Ziel der Projekte war es, in den einzelnen Ländern Kapazitäten zu schaffen, um eine eigenständige Überwachung von zoonotischen Infektionskrankheiten zu ermöglichen. Viele Projekte steckten nach ihrer Beendigung noch in den Kinderschuhen. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, ob die ergriffenen Maßnahmen nachhaltig etabliert werden und eine langfristige Vernetzung wie auch Finanzierung aller Stakeholder erreicht werden kann.

Aktuelle Situation

Die derzeitige Situation zoonotischer Infektionserkrankungen in Zentralasien ist Pathogen- und Landes-abhängig. In vielen Staaten der ehemaligen Sowjetunion führte der Zusammenbruch 1991 zu erheblichen Veränderungen, die die Ausbreitung einiger Zoonosen erleichterten und deren Kontrollorgane bis heute vor Herausforderungen stellen. Diese Herausforderungen sind beispielsweise die unkontrollierte Zunahme der Nutztierpopulationen, die Verteilung von Nutztieren auf viele Kleinbauern oder die mangelnde Kontrolle der Nutztierzahlen und Präventionsprogramme (wie Testschlachtungen und Impfungen). Gerade in ländlichen Gebieten, in denen Mensch und Tier eng zusammenleben, sind die möglichen Infektionswege vielfältig. In vielen Ländern fehlt die Infrastruktur, um die Ausbreitung von Zoonosen überwachen und verhindern zu können.

Zukünftige Herausforderungen

Zahlreiche Herausforderungen sind in Zukunft im Bereich der Zoonosenbekämpfung in Zentralasien zu bewältigen. Als Hauptaufgabe gilt es, für die zentralasiatischen Länder zuverlässige Daten über das Auftreten von Zoonosen bei Tieren und Menschen, die Verteilung der Vektoren, die Infektionswege, die Anzahl der Nutztiere und die Impfraten zu erhalten. Weiterhin ist der Aufbau von Kapazitäten im Bereich der Forschung und Wissenschaften von Zoonosen zu bewerkstelligen. Dies schließt die Schulungen von Personal, ausreichend ausgestattete Labors sowie Infrastrukturmaßnahmen zur Beschaffung und zum Transport von Probenmaterial ein. Zentrale Strukturen zur Koordination der Maßnahmen und zur Vernetzung der beteiligten Akteure sind zu etablieren. Insbesondere Bevölkerungsgruppen, die ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Zoonose-Erreger aufweisen, müssen aufgeklärt und sensibilisiert werden. Die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung für die erforderlichen Maßnahmen ist daher ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Zoonosen in Zentralasien. Die potentiellen Übertragungswege, die sich durch die neue Seidenstraße eröffnen, aber auch durch Zugvögel und den Reiseverkehr, betreffen durchaus die Gesundheitssicherheit in Deutschland. Deshalb sollte, auch wenn das politische Augenmerk aktuell nicht auf Zentralasien liegen mag, das wissenschaftliche Augenmerk intensiv auf die Zoonosen Zentralasiens gerichtet sein. Deutschland muss die Zoonosen Zentralasiens im Blick behalten, sodass bei Ausbruchsgeschehen die auf Erreger aus Zentralasien zurückzuführen sind, umgehend reagiert werden kann.

Vorschläge für die Zukunft

Die Zusammenarbeit mit Interessengruppen wie zum Beispiel denen, die „vernachlässigte Tropenkrankheiten“ bekämpfen, könnte eine Möglichkeit sein, bei Projektanträgen Synergien zu erzeugen. Das gewonnene Wissen aus Programmen in anderen Regionen der Welt, z.B. in Afrika, könnte auch auf Programme in Zentralasien übertragen werden. Langfristiger Erfolg ist nur zu erwarten, wenn öffentliches Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Forschung, Human- und Veterinärmedizin zusammenarbeiten. Erklärtes Ziel sollte die grenzüberschreitende Umsetzung des „One-Health“-Konzeptes sein, das die Verbesserung der Gesundheit von Mensch und Tier zum Ziel hat.

Gruppenfoto mit den Teilnehmern des internationale Workshop „Deutsch-Zentralasiatische Zu-sammenarbeit bei Zoonosen“.
Dr. Bernadette Abela-Ridder, Leiterin der Abteilung für vernachlässigte Tropenkrankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erklärte die fünf Hauptstrategien der WHO zur Bekämpfung von Zoonosen. Sie nannte insbesondere schlechte Datenverfügbarkeit und Sprachhürden in Zen-talasien als zu überwindende Probleme.
Dr. Mario Latini von der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) präsentierte die Ergebnisse des ersten Zoonosetreffens für zentralasiatische und kaukasische Länder in Nur-Sultan, Kasachstan, speziell zu den Erregern von Tollwut, Brucellose und Echinokokkose.
Prof. Dr. Jakob Zinsstag vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut betonte, dass, um nachhaltige Programme einführen zu können, den Regierungen klargemacht werden müsse, dass ihre Investitionen langfristig gesehen rentabel sein werden.
Dr. Claudia Sievers vom Robert Koch-Institut (RKI) stellte die Zusammenarbeit der Abteilung für hochpathogene Mikroorganismen des Zentrums für biologische Bedrohungen und spezielle Krank-heitserreger mit Zentralasien vor.
PD Dr. Sandra Eßbauer und Dr. Stefan Frey vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr organi-sierten den internationalen Workshop gemeinsam mit der Deutschen Forschungsplattform für Zo-onosen. Frau Dr. Eßbauer ist Mitglied des Internen Beirats der Deutschen Forschungsplattform für Zoonosen.
Dr. Tserennorov Damdindorj berichtete über die seit 2009 bestehenden gemeinsamen Kooperati-onsaktivitäten ihres Instituts, des Nationalen Zentrums für Zoonosekrankheiten (NCZD) der Mon-golei mit dem IMB.