Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Arbeitsgruppe Francisella

Die Tularämie ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst wird. Der Erreger ist auf der nördlichen Halbkugel verbreitet und gehört zu den vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen). Die Hauptwirte sind Nagetiere und Hasenartige. Zur Infektion kommt es bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren (z.B. Hasenjagd). Der Biss infizierter, blutsaugender Vektoren (z.B. Mücken, Zecken) stellt eine weitere Infektionsquelle dar. Je nach Erregereintrittspforte unterscheidet man unterschiedliche Formen der Tularämie beim Menschen: ulzero-glanduläre Form, oculo-glanduläre Form, Lungenform, abdominale Form.

Die Tularämie ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Auf Grund der geringen Erregerzahl, die benötigt wird, um die Tularämie auszulösen, wurde Francisella tularensis in der Vergangenheit auch als biologischer Kampfstoff verwendet.

Die Arbeitsgruppe Tularämie untersucht Diagnostik-, Behandlungs- und Vorbeugungsmöglichkeiten für Francisella tularensis. Zur Unterstützung therapeutischer Maßnahmen werden bei aus Patientenmaterial isolierten Stämmen auch Antibiotikaresistenztestungen vorgenommen. Darüber hinaus werden Testsysteme zum indirekten Erregernachweis, z.B. durch den Nachweis spezifischer Antikörper, entwickelt und validiert. Hierbei werden auch Methoden zur Anwendung bei Tieren etabliert, um Aussagen über das Vorkommen von Francisella tularensis in Reservoirwirten, z.B. in Einsatzgebieten der Bundeswehr, treffen zu können.

Hinweis: Die durch die Arbeitsgruppe entwickelten medizinisch-diagnostischen Verfahren werden gebündelt über den Zentralbereich Diagnostik des Instituts bereitgestellt. Dort finden Sie auch das detaillierte Analysenverzeichnis mit Hinweisen zur Probennahme und Transport.

Forschungsschwerpunkte:

  • Nachweis und Typisierung von Francisella tularensis mittels Echtzeit-PCR Systemen;
  • Feintypisierung von Francisella tularensis, auch unter Einsatz von Next-Generation-Sequencing (NGS) Methoden;
  • Aufbau von Typisierungs-Datenbanken für molekular-epidemiologische und bioforensische Zwecke, z.B. zur Bestimmung des geographischen Ursprungs eines Francisella-Isolates an Hand von Typisierungsergebnissen;
  • Nachweis von Francisella tularensis –spezifischen Antikörpern in Seren menschlichen und tierischen Ursprungs zur Bestimmung des Verbreitungsgrades (Seroprävalenz) des Erregers
  • In vitro Infektion von Zellkulturen zur Untersuchung der Erreger-Wirt Interaktion
  • Testung der Effiziens von antimikrobiellen Wirkstoffen gegen Francisella tularensis, einschließlich der Testung in in vitro Infektionsmodellen