Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Arbeitsgruppe Pest

Yersinia pestis, der Erreger der Pest, auch bekannt als der „Schwarze Tod“, ist einer der gefährlichsten bakteriellen Infektionserreger. Kaum eine andere Erkrankung in der Geschichte der Menschheit hat so viel Angst und Schrecken verbreitet wie die Pest. Aber auch heute noch zählt die Pest in zahlreichen Ländern Afrikas (Tansania, Kongo, Madagaskar, Uganda), Asiens (Kasachstan, Vietnam, Myanmar, Indien, China) und Amerikas (Peru, Brasilien, Bolivien, USA) zu den gefährlichsten bakteriellen Infektionskrankheiten mit weltweit bis zu 3000 an die WHO gemeldeten Erkrankungen jährlich. Naturherde persistieren insbesondere in verschiedenen Nagetierspezies, Insektenfressern, kleineren Raubtieren und deren Parasiten.

Die Pest ist eine Zoonose. Die Übertragung auf den Mensch erfolgt hauptsächlich durch den Stich eines infizierten Flohs mit der anschließenden klinischen Manifestation der Beulenpest. Auch der direkte Kontakt mit einem infizierten Tier kann zu einer Infektion führen. Nach Aufnahme des Erregers über die Atemwege oder durch sekundäre Streuung kommt es zum klinischen Bild der Lungenpest. Diese Form ist hoch ansteckend und endet unbehandelt fast ausnahmslos tödlich. Eine rasche Diagnostik und Behandlung mittels Antibiotika ist daher überlebenswichtig und führt meist zum Erfolg. Allerdings wurden bereits in Einzelfällen auch multiresistente Erregervarianten identifiziert.

Die Arbeitsgruppe Pest untersucht Diagnostik-, Behandlungs- und Abwehrmöglichkeiten für menschliche Infektionen mit Yersinia pestis. Hierzu gehören auch wissenschaftliche Projekte zur Entwicklung validierter Diagnostikverfahren für die molekulare, biochemische und immunologische Identifizierung. Moderne molekulare Typisierungsmethoden und Genomanalysen bilden die Grundlage für molekular-epidemiologische Ausbruchsuntersuchungen in Endemiegebieten und Rückverfolgungsanalysen bei einem Anschlagsszenario. Die Arbeitsgruppe stellt außerdem im nationalen Konsiliarlabor für Pest das methodische Know-how bereit, um Krankheitsfälle mit dem Verdacht auf Pest in Deutschland, sowie in aktuellen oder zukünftigen Einsatzregionen der Bundeswehr aufzuklären.

Hinweis: Die durch die Arbeitsgruppe für das Konsiliarlabor für Pest entwickelten medizinisch-diagnostischen Verfahren werden gebündelt über den Zentralbereich Diagnostik des Instituts bereitgestellt. Dort finden Sie auch das detaillierte Analysenverzeichnis mit Hinweisen zur Probennahme und Transport.

Forschungsprojekte

  • Molekulare Charakterisierung historischer Pest-DNA aus Skeletten des 6. und 14 Jhd. n. Chr.;
  • Nachweis von Yersinia pestis aus Nagetieren und Ektoparasiten aus der Mongolei;
  • Genomanalysen mongolischer Yersinia-pestis-Stämme;
  • Aufbau von Typisierungs-Datenbanken für molekular-epidemiologische und bioforensische Zwecke, z.B. zur Bestimmung des geographischen Ursprungs eines Yersinia pestis-Isolates an Hand von Typisierungsergebnissen.