Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Deutsch-Kasachisches Netzwerk für Biosicherheit

Im Januar 2017 begann am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr die zweite dreijährige Projektlaufzeit des deutsch-kasachischen Netzwerkes für Biosicherheit, das vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Deutschen Partnerschaftsprogramms für biologische Sicherheit und Gesundheitssicherstellung gefördert wird. Frau PD Dr. Sandra Eßbauer aus dem Kompetenzbereich II - Virologie & Intrazelluläre Erreger - leitet das Projekt. Projektkoordinator ist Herr Dr. Stefan Frey. Hauptkooperations-partner in Kasachstan sind die Kasachische Nationale Medizinische Universität (KNMU), das Scientific Practical Center of Sanitary Epidemiological Expertise and Monitoring (SPC SEEM) und das M. Aikimbayev Kazakh Scientific Center of Quarantine and Zoonotic Diseases (KSCQZD), neben dem das neue Central Reference Laboratory erbaut wurde. Diese Institutionen haben ihren Sitz in Almaty. Den Großteil der vor Ort anfallenden administrativen und organisatorischen Aufgaben wickelt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ab.

Kasachstan ist seit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 und der anschließend erfolgten Unabhängigkeitserklärung eine autonome Nation. Zur Zeit der Sowjetunion spielte das Land eine wichtige Rolle für die sowjetische Militärindustrie, unter anderem bei der Erforschung, Produktion und Testung biologischer Waffen (B-Waffen). Oft dienten dabei als Ausgangsmaterial für die B-Waffen-Forschung in Zentralasien natürlich vorkommende Erreger. Aufgrund der klimatischen Bedingungen und vielfältigen Landschaften bietet die Natur Kasachstans ideale Voraussetzungen für verschiedene Pathogene, die beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen und potenziell als B-Kampfstoffe missbraucht werden können. So sind Bacillus anthracis, Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus (CCHFV), Brucellen, Hantaviren, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis-(FSME)-Virus, Francisella tularensis, Yersinia pestis, Coxiella burnetii und Rickettsien nur einige der dafür infrage kommenden Erreger.

Nur wenige offizielle Daten gibt es zur Epidemiologie dieser Pathogene, den damit in Kasachstan assoziierten Erkrankungen oder zu aktuellen Fallzahlen. Auch Aus-bruchsgeschehen können aufgrund vielfach fehlender moderner Detektionsmetho-den oft nur unzureichend untersucht und aufgeklärt werden. Für viele der genannten Krankheitserreger gibt es keine wirklich zuverlässigen und aussagekräftigen diagnostischen Nachweisverfahren. Letzte umfassende epidemiologische Studien zu den genannten Erregern wurden noch unter dem Sowjet-Regime durchgeführt, manchmal gibt es noch Daten aus den 1990er Jahren.

Pestfälle werden noch immer in den traditionellen Peststationen („Anti-Plague-Stationen“) in allen Landesteilen untersucht. Nach wie vor kommen Pesterreger in Reservoirwirtstieren vor. Mehrere Endemiegebiete der Zeckenenzephalitis (FSME) sind bekannt und es wird eine hohe Prävalenz des Erregers in Zecken vermutet, jedoch existieren dafür mangels geeigneter Nachweisverfahren keine zweifelsfreien Daten. Ähnliches gilt für Tularämie und Q-Fieber, die ebenfalls in Kasachstan endemisch sind. Sehr schwer verlaufende, durch CCHFV und Hantaviren verursachte, hämorrhagische Fieber werden zwar regelmäßig anhand klinischer Falldefinitionen diagnostiziert, die Absicherung dieser Diagnose mittels direkter oder indirekter Verfahren zum Virusnachweis aus Patientenmaterialien bleibt jedoch aus. Hunderte Fälle von Rickettsiosen werden ebenfalls jährlich nur anhand des klinischen Bildes diagnostiziert.

Aktuell gemeldete Krankheitsausbrüche durch potenziell B-relevante Erreger betreffen u.a. Milzbrand (2016) und Brucellose (2017).

Auch das Folgeprojekt von 2017 bis 2019 hat sich die zunehmende Sensibilisierung der kasachischen Partner für die mit solchen Infektionserregern assoziierten Gefahren und Erkrankungen sowie für die damit verbundenen Aspekte der biologischen Sicherheit zum Ziel gesetzt („Awareness-Raising“). Geplant sind daher weitere Laborschulungen sowohl in Kasachstan als auch in München, Workshops, Feld- und Surveillance-Studien sowie die verstärkte Einbindung kasachischer Wissenschaftler in die entsprechende deutsche und internationale Wissenschaftsgemeinde. Schulungen zu Biosafety- und Biosecurity-Aspekten im Umgang mit entsprechenden Pathogenen werden für Mitarbeiter der KNMU und des SPC SEEM angeboten. Die erlangten diagnostischen Fähigkeiten sollen zur Erweiterung des epidemiologischen Monitorings (Surveillance) führen. All dies dient langfristig dem „Capacity Building“ im Partnerland. Wehrmedizinisch relevant für die Bundeswehr ist das Projekt unter anderem durch die Stärkung und Verbesserung diagnostischer Fähigkeiten. Es leistet einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung neuer Analysemethoden zum Nachweis B-relevanter Erreger und liefert so die Basis für ein kontinuierliches Monitoring von Erregerreservoiren und zirkulierenden Pathogenen in Kasachstan. Das Monitoring ermöglicht es, biologische Gefahren frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Diese Maßnahmen dienen zudem dem Schutz Deutschlands vor einer möglichen unkontrollierten Ausbreitung entsprechender Infektionserkrankungen.

Sachstand des deutsch-kasachischen Biosicherheitsprojektes, Juli 2017

Die bisherigen Missionen in Kasachstan integrierten die verschiedenen Ministerien, die Botschaft in Astana sowie das deutsche Generalkonsulat und die Partnerinstitutionen in Almaty in die Projektaktivitäten. Auf das während der ersten Projektlaufzeit etablierte und sehr gute Vertrauensverhältnis mit den kasachischen Partnern kann nun aufgebaut werden. So stand auch die erste Mission der neuen Projektperiode Ende März/Anfang April 2017 in Almaty unter dem Motto „Etablierung von Kontakten und Vernetzung von One-Health-Akteuren: Sie beinhaltete ein Kick-off Meeting mit den Projektmitarbeitern, die Unterzeichnung neuer Kooperationsvereinbarungen für die Projektphase 2017 – 2019 mit den Partnerinstitutionen, der Kasachischen Nationalen Medizinischen Universität (KNMU), dem Scientific Practical Center for Sanitary Epidemiological Expertise and Monitoring (SPC SEEM) und dem M. Aikimbayev Kazakh Scientific Center of Quarantine and Zoonotic Diseases (KSCQZD), sowie den Abschluss des Ausbildungsabschnittes zur Labordiagnostik einer serologischen Studie (FSME, CCHFV und Rickettsien) an der KNMU.

 

Die Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarungen bedeutete die Erfüllung eines wichtigen ersten Milestones im Projekt.

Im ersten Projektzeitraum besuchten mehrere kasachische Delegationen, darunter auch eine Vertreterin des kasachischen Gesundheitsministeriums, die internationalen „Medical Biodefense Conferences“ des IMB im Oktober 2013 und April 2016 in München. Im Herbst 2016 nahmen sie an einer „Biostudytour“ zu verschiedenen Institutionen in Deutschland teil.

Zur Stärkung der Biosicherheit in den Laboren der Projektpartner wurden zwischen 2013 und 2016 vier Trainingseinheiten und sechs Workshops in Kasachstan durch-geführt, unter anderem zu den Themen „Hygiene, Arbeitsschutz, Biosafety & Bio-security“ sowie „Neue diagnostische Methoden in der Molekularbiologie“.

Seit 2014 nehmen zwei kasachische Nachwuchswissenschaftler an dem international anerkannten Doktorandenprogramm „Public Health“ des Centers for International Health (CIH) der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) teil. Zukünftig werden sie als Trainer fungieren. Frau Abdiyeva, eine der Doktorandinnen, erhielt im Dezember 2016 sogar die Gele-genheit ihre Forschungsarbeiten dem Präsidenten Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, persönlich auf einem zu seinen Ehren veranstalteten Jugendforum vorzustellen.

Die regelmäßigen Projektbesprechungen mit den kasachischen Wissenschaftlern und deren Sachstandsberichte zu ihren Projektaktivitäten mündeten in eine Sur-veillance-Studie an hospitalisierten Patienten mit unklaren fieberhaften Erkrankungen (FUO), die vom Ethikkomittee der KNMU und der LMU im Jahr 2014 genehmigt worden war. Zur Beurteilung der aktuellen Lage hochpathogener Erreger wurden in zwei Regionen Kasachstans bei über 800 Patienten mit Fieber unklarer Genese serologische Untersuchungen auf Antikörper gegen B-relevante Erreger durchgeführt. In einer parallel ablaufenden Vektor-Surveillance-Studie wurden 3000 Zecken auf hochpathogene Enzephalitis-Viren, Hämorrhagische Fieber-Viren und Rickettsien untersucht. Im Herbst 2016 fand in Almaty die Abschlusskonferenz zur ersten Projektphase mit Vorstellung der Forschungsergebnisse statt. Sie wurde vom deutschen Generalkonsul eröffnet, von kasachischer Seite nahmen führende Wissenschaftler und Politiker teil.

Zwei weitere kasachische Nachwuchswissenschaftlerinnen besuchten im Frühjahr 2017 das IMB in München. Eine der Wissenschaftlerinnen nimmt an dem Dokto-randenprogramm des CIH der LMU teil. Beide erlernten bereits zu Beginn des Jahres 2017 erste diagnostische Tests zum Nachweis von TBEV und Hantaviren und sind nun befähigt diese selbstständig durchzuführen und ihr Wissen weiterzugeben.

Alle ins Projekt integrierten kasachischen Wissenschaftler beteiligen sich mittlerweile mit Vorträgen und Postern an internationalen Kongressen wie beispielsweise im Juli 2017 in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, an der Internationalen Konferenz “Current Issues on Zoonotic Diseases“ oder im Herbst an der internationalen Zoonosetagung „National Symposium on Zoonoses Research 2017“ in Berlin.

Weitere Trainingseinheiten und Laborschulungen zum Thema „Biosafety und Bio-security“ werden auch im Rahmen der zweiten Projektlaufzeit in den Laboren der Kooperationspartner in Almaty stattfinden. Aktuell ist dazu im September 2018 ein Workshop in Kasachstan geplant.

Die Mission im Juni/Juli 2017 diente auch dazu die neue Projektphase mit Inhalten und Zielen an der Deutschen Botschaft in Astana und am Kasachischen Ministerium für Bildung und Forschung sowie am Gesundheitsministerium zu präsentieren. Weitere Übungseinheiten zum Training neuer Projektmitarbeiterinnen fanden statt. Auch fand auf dieser Mission ein Informationsaustausch mit den drei Partnerinstituten zu den vorläufigen Ergebnissen der Untersuchungen zum Vorkommen Zecken-übertragener B-relevanter Erreger statt.

Die Herausgabe gemeinsamer wissenschaftlicher Publikationen, ein Buch über Biosicherheit in Kasachstan, Präsentationen und Poster an internationalen Fachkonferenzen stärken die nachhaltige Kooperation mit den kasachischen Partnern und die Sichtbarkeit des Projekts. Auf der Weltausstellung EXPO in Astana war das Projekt mit einem Poster vertreten.

Wie bereits im ersten Projektzeitraum werden auch aktuell wieder Geräteausstattung und weiteres Material für die Partnerinstitutionen organisiert und von Deutschland nach Kasachstan geliefert.

Weitere Missionen finden in den Jahren 2018 und 2019 statt.

Impressionen aus Kasachstan