Institut für Mikrobiologie
der Bundeswehr

Biosicherheitsprojekt Kasachstan: Aufbau eines deutsch-kasachischen Netzwerks zur Diagnostik von Infektionskrankheiten durch potenzielle B-Agenzien

Das deutsch-kasachische Biosicherheitsprojekt  ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wird von Frau PD Dr. Sandra Eßbauer aus der Abteilung Virologie & Rickettsiologie geleitet. Hauptkooperationspartner in Kasachstan sind die Kasachische Nationale Medizinische Universität (KNMU) und das Scientific Practical Center of Sanitary Epidemiological Expertise and Monitoring (SPC SEEM). Beide Institutionen haben ihren Sitz in Almaty. Ein großer Teil der vor Ort anfallenden administrativen und organisatorischen Aufgaben wird über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) abgewickelt.

Die Republik Kasachstan ist mit einer Fläche von rund 2,7 Mio Quadratkilometern das neuntgrößte Land der Erde. Der in Zentralasien gelegene Binnenstaat weist aufgrund seiner Größe ein sehr unterschiedliches Landschaftsbild mit einer vielfältigen Flora und Fauna auf. Steppen und Landsteppen mache fast ein Drittel der Fläche aus, etwa 15% bestehen aus Halbwüsten und am weitesten verbreitet sind Wüsten. Im Süden des Landes dominieren Fichtenwälder die Landschaft des Tien-Shan Gebirges. Auf das ganze Land verteilt gibt es etwa 4000 Seen. Aufgrund dieser vielfältigen Landschaften und unterschiedlichen Fauna hat das Land Naturherde für eine Vielzahl von hochpathogenen Erregern wie Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus (CCHFV), Hantaviren, FSME-Virus, Francisella tularensis, Coxiella burnetii,Rickettsien u.a., die im Fokus der Diagnostik und Forschung des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr stehen.

Zur Epidemiologie dieser Erreger und der damit assoziierten Erkrankungen in Kasachstan gibt es nur wenige offizielle Daten. Die offiziell berichteten Fallzahlen sind häufig lückenhaft, für viele der genannten Krankheitsursachen gibt es keine ausreichend zuverlässigen und aussagekräftigen diagnostischen Nachweisverfahren. So werden zum Beispiel sehr schwer verlaufende hämorrhagische Fieber durch CCHFV und Hantaviren regelmäßig anhand klinischer Falldefinitionen diagnostiziert, ohne dass jedoch die Diagnose durch direkte oder indirekte Verfahren zum Virusnachweis aus Patientenmaterialien abgesichert wird. Ausbruchsgeschehen können nur unzureichend untersucht und aufgeklärt werden. Mehrere Hundert Fälle von Rickettsiosen werden ebenfalls jährlich nur anhand des klinischen Bildes diagnostiziert. Endemiegebiete der Zeckenenzephalitis (FSME) sind bekannt, und es wird eine hohe Prävalenz des Erregers in Zecken vermutet, jedoch existieren dafür mangels geeigneter Nachweisverfahren keine zweifelsfreien Daten. Ähnliches gilt für Tularämie und Q-Fieber, die ebenfalls in Kasachstan endemisch sind.

Im Rahmen des beantragten Projekts sollen die kasachischen Partner für die mit solchen Infektionserregern und potenziellen B-Agenzien assoziierten Gefahren und Erkrankungen sowie für damit assoziierte Aspekte der biologischen Sicherheit sensibilisiert werden („Awareness-Raising“). Geplante Maßnahmen sind Laborschulungen, die in Kasachstan wie auch in München stattfinden werden, Workshops, Feld- und Surveillance-Studien, sowie die Einbindung kasachischer Wissenschaftler in die entsprechende deutsche und internationale Wissenschaftsgemeinde. Mitarbeiter der KNMU und des SPC SEEM werden im Hinblick auf Biosafety- und Biosecurity-Aspekte im Umgang mit entsprechenden Erregern geschult. Mit Hilfe der aufgebauten diagnostischen Fähigkeiten soll ein epidemiologisches Monitoring (Surveillance) etabliert werden. Dies alles dient langfristig dem „Capacity Building“ im Partnerland.

 

 

Sachstand des deutsch-kasachischen Biosicherheitsprojektes

Das Projekt startete im August 2013. Bis Juni 2014 wurden vier Missionen in Kasachstan durchgeführt, bei denen verschiedene Ministerien, die Botschaft in Astana sowie das Konsulat und die Partnerinstitutionen in Almaty besucht und in die Projektaktivitäten eingebunden wurden. Im Rahmen der durch das IMB durchgeführten internationalen „Medical Biodefense Conference“ im Oktober 2013 war eine fünfköpfige kasachische Delegation unter Teilnahme einer Vertreterin des kasachischen Gesundheitsministeriums zu Besuch in München. Im Rahmen der genannten Besuche konnte bereits ein sehr gutes Vertrauensverhältnis mit den kasachischen Partnern aufgebaut, die gemeinsamen Einzelprojekte konzipiert und die organisatorischen Rahmenbedingungen geklärt werden.

Ausbildungsmaßnahmen  für zwei kasachische Nachwuchswissenschaftler fanden bislang von Januar bis März und im Juni 2014 am IMB in München statt. Beide Teilnehmer hatten Erfolg mit einer Bewerbung am Center for International Health der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und werden dort ab Herbst 2014 an einem international anerkannten Doktorandenprogramm für „Public Health“ teilnehmen.

Erste Trainingseinheiten und Laborschulungen zum Thema Biosafety und Biosecurity wurden im Rahmen von zwei Workshops im April 2014 und im Juni 2014 in Kasachstan durchgeführt. Weitere Trainings sind für kommende Missionen geplant.

Regelmäßig fanden bei den Besuchen Projekt-Besprechungen mit den kasachischen Wissenschaftlern statt, die jeweils Sachstandsberichte über ihre Projektaktivitäten gaben. Dabei wurde auch ein Ethikantrag für eine geplante Surveillance-Studie an hospitalisierten Patienten mit unklaren fieberhaften Erkrankungen gemeinsam erarbeitet. Dieser wurde vom Ethikkomittee der KNMU im April 2014 genehmigt.

Geräteausstattung und weiteres Material wurde für die beiden Partnerinstitutionen beschafft und von Deutschland nach Kasachstan geliefert.

Zwischen den drei Partnerinstitutionen KNMU, SPC SEEM und IMB wurde eine Kooperationsvereinbarung erarbeitet und im Juni 2014 im Rahmen eines Festaktes in Almaty unterzeichnet. Zur Erweiterung des Kontaktkreises wurden zudem bereits Gespräche mit Vertragspartnern der U.S. Defense Threat Reduction Agency (DTRA) in Kasachstan und mit weiteren wissenschaftlichen Institutionen durchgeführt. Weitere Missionen sind für August und Oktober 2014 geplant.

Impressionen aus Kasachstan